Samhain - die Nacht in der die Schleier zwischen den Welten dünn werden.
- Anja

- 31. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Wenn die Tage kürzer werden, Nebel über die Felder ziehen und das Licht der Sonne sanft verblasst, beginnt eine Zeit des Übergangs. Der Herbst verabschiedet sich, und die Natur zieht sich in ihre stille Kraft zurück. Genau hier, zwischen Licht und Dunkel, Leben und Tod, liegt Samhain – eines der ältesten Feste der Menschheit.
Was ist Samhain?
Samhain – sprich Sow-in oder Saun – ist mehr als nur ein altes Fest.
Es ist die Nacht, in der die Schleier zwischen den Welten dünn werden, die Schwelle zwischen Leben und Tod, Licht und Dunkelheit. Für unsere Ahnen markierte Samhain den Übergang vom alten ins neue Jahr – das Ende der Erntezeit und den Beginn des Winters. Es war die Zeit des Rückzugs, der Innenschau und der Ahnenverehrung.
In der Dunkelheit dieser Nacht ruhte nicht nur das Land, sondern auch die Seele. Alles, was vergehen sollte, durfte losgelassen werden – um Platz für das Neue zu schaffen.
Wann findet Samhain statt?
Samhain wird traditionell zum Dunkelmond des elften Mondes gefeiert – der Moment, in dem das Licht des Mondes völlig verschwindet und nur die Nacht regiert (21.10.2025 - Neumond)
In der modernen Zeit wird Samhain meist am 31. Oktober begangen, in der Nacht, die wir heute als Halloween kennen. Doch ursprünglich richtete man sich nicht nach dem Kalender, sondern nach den Zyklen der Natur und des Himmels.
Diese Nacht markiert den Beginn des keltischen Jahres – die Schwelle, an der Altes stirbt und Neues geboren wird. Es ist der Moment zwischen den Welten, zwischen den Atemzügen der Zeit.
Woher kommt Samhain?
Samhain stammt aus der alten keltischen Kultur und wurde vor Tausenden von Jahren auf den britischen Inseln, in Irland und Teilen Galliens gefeiert.
Für die Kelten war das Jahr in acht heilige Feste geteilt – und Samhain war das bedeutendste unter ihnen. Man glaubte, dass in dieser Nacht die Geister der Ahnen zurückkehren, um ihre Nachkommen zu besuchen.
Türen blieben offen, Kerzen wurden entzündet, und man stellte Speisen für die Verstorbenen bereit.
Mit der Christianisierung verschmolzen viele dieser Bräuche mit dem Allerheiligenfest (1. November) und Allerseelen (2. November). So wurde aus Samhain schließlich
Halloween – „All Hallows’ Eve“, der Abend vor Allerheiligen.
Doch der ursprüngliche, mystische Kern blieb lebendig – verborgen in Ritualen, Geschichten und dem Gefühl, dass in dieser Nacht die Erde selbst stillhält, um zu lauschen.
Alte Bräuche & unerzählte Mythen
In den alten Dörfern entzündete man große Feuer auf den Hügeln, um böse Geister fernzuhalten und das Licht in der Dunkelheit zu ehren. Jeder nahm ein Stück der Glut mit nach Hause, um das eigene Herdfeuer neu zu entfachen – ein Symbol für Neubeginn und Schutz.
Seherinnen und Druiden nutzten diese Nacht für Rituale der Weissagung. Es hieß, wer in Samhains Tiefe blickt – in Spiegel, Wasser oder Flamme – könne einen Blick in die Zukunft erhaschen.
Ein wenig bekannter Brauch war das „Dumb Supper“ – das stille Mahl. Familie und Freunde versammelten sich um einen gedeckten Tisch, an dem auch Plätze für die Ahnen freigehalten wurden. In völliger Stille aß man gemeinsam, um den Geistern Raum zu geben, sich zu zeigen.
Man erzählt sich, dass in der Stunde zwischen Mitternacht und Morgengrauen die Tore der Anderswelt offenstehen – für jene, die mutig genug sind, hin durchzublicken. Manche spüren in dieser Nacht ein leises Flüstern im Wind, sehen Schatten tanzen oder fühlen einen vertrauten Hauch – Zeichen derer, die einst waren und nie ganz gingen.
Samhain heute
Heute ehren viele Menschen Samhain wieder als Zeit des Loslassens und der inneren Einkehr. Es ist die Gelegenheit, sich mit den Ahnen zu verbinden, Dankbarkeit zu üben und die Dunkelheit nicht zu fürchten, sondern als Teil des Lebens zu umarmen.
Denn Samhain erinnert uns:
ohne Dunkelheit kein Licht
ohne Tod kein Neubeginn
und ohne Erinnerung keine Zukunft
Ich danke dir von Herzen, dass du dir die Zeit genommen hast, in diese alten Geschichten einzutauchen.
Vielleicht durfte dieser kleine Ausflug in vergangene Zeiten dich für einen Moment entschleunigen.


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